Ein guter Prompt ist der Besitz einer Person. Er lebt in ihrem Kopf, in einer Textdatei oder im Verlauf eines Chatfensters und verschwindet mit ihrem Urlaub, ihrer Vertretung oder ihrem Abschied. Ein Workflow ist dagegen der Besitz des Unternehmens: Er beschreibt, was wann mit welchen Grundlagen geschieht, und funktioniert auch dann, wenn die Person wechselt, die ihn ausführt.
Wann ein Prompt genügt und wann nicht
Nicht jede Aufgabe braucht einen Workflow. Ein einzelner Prompt reicht, wenn die Aufgabe einmalig ist, das Ergebnis von derselben Person geprüft wird und ein Fehler geringe Kosten hat. Ein Workflow wird notwendig, sobald eine dieser Bedingungen gilt:
- Die Aufgabe kehrt regelmäßig wieder und wird von mehreren Personen erledigt.
- Das Ergebnis verlässt das Unternehmen oder fließt in Entscheidungen anderer ein.
- Die Qualität muss über Personen und Monate hinweg vergleichbar bleiben.
- Bei einem Fehler muss nachvollziehbar sein, welche Grundlage zu welchem Ergebnis geführt hat.
Der Workflow-Steckbrief: sieben Angaben, die einen Prompt teamfähig machen
- Auslöser: Welches Ereignis startet die Arbeit, zum Beispiel eine eingehende Anfrage mit bestimmten Merkmalen?
- Eingaben: Welche Daten werden benötigt, woher kommen sie und in welcher Form müssen sie vorliegen?
- Erlaubte Werkzeuge: Welches KI-System darf genutzt werden und mit welchem Konto?
- Schritte: Welche Teilschritte gibt es, welcher davon ist der KI-Schritt und welche bleiben manuell?
- Qualitätskriterien: Woran erkennt die prüfende Person, dass das Ergebnis verwendbar ist?
- Ausnahmen und Eskalation: Welche Fälle darf der Workflow nicht bearbeiten und an wen gehen sie?
- Ergebnis und Ablage: Wo wird das Ergebnis gespeichert, mit welcher Version und welchem Vermerk?
Der Steckbrief passt auf eine Seite. Er ist kein Projektdokument, sondern die Beschreibung, die eine Vertretung braucht, um die Aufgabe morgen selbst zu übernehmen.
Ein Beispiel: Angebotsvorbereitung vor und nach dem Umbau
Vorher: Ein Vertriebsmitarbeiter kopiert die Kundenanfrage und ein altes Angebot in ein Chatfenster und bittet um einen Entwurf. Jeder Kollege macht es anders, niemand weiß, welche Preisliste verwendet wurde, und ob die Antwort alle Kundenfragen abdeckt, prüft nur, wer gerade Zeit hat.
Nachher: Der Auslöser ist eine als Standardanfrage klassifizierte Nachricht. Eingaben sind der Anfragetext, die aktuell freigegebene Preislistenversion und zwei vergleichbare Referenzangebote. Der KI-Schritt erzeugt eine Angebotsstruktur und eine Liste offener Rückfragen. Qualitätskriterien: keine Konditionen außerhalb der Liste, jede Kundenfrage beantwortet, Tonalität der Vorlage. Sonderkonfigurationen gelten als Ausnahme und gehen an die Vertriebsleitung. Das Ergebnis wird mit Versionsvermerk im CRM abgelegt.
Der Prompt hat sich zwischen beiden Varianten kaum verändert. Verändert hat sich alles, was ihn umgibt.
Wenn eine Vertretung den Ablauf nicht innerhalb von fünfzehn Minuten anhand der Beschreibung übernehmen kann, ist es noch kein Workflow, sondern ein persönlicher Trick.
Warum Prompt-Bibliotheken ohne Prozess veralten
Prompts sind an ein Modell, eine Version und oft an ein bestimmtes Antwortformat gebunden. Wechselt der Anbieter das Modell, verändern sich die Ergebnisse, und ohne Testfälle bemerkt es niemand. Eine Prozessbeschreibung überlebt diesen Wechsel, weil sie Eingaben, Kriterien und Ausnahmen festhält. Der Prompt wird dann zu einem austauschbaren Baustein, der gegen dieselben Kriterien neu geprüft wird. Wie eine solche Prüfung reproduzierbar aufgebaut wird, beschreibt der Beitrag zur Evaluation von KI-Ergebnissen.
Die ersten drei Workflows auswählen
Geeignet sind Aufgaben, die häufig vorkommen, deren Fehlerkosten überschaubar sind, deren Daten bereits strukturiert vorliegen und deren Ergebnis sich schnell prüfen lässt. Meeting-Zusammenfassungen, Standardantworten im Service und die Vorbereitung wiederkehrender Berichte erfüllen diese Bedingungen häufig. Erst wenn diese Abläufe stabil laufen, lohnt sich der Aufbau einer Workflow-Bibliothek, in der Verantwortung, Version und Beispiele zentral gepflegt werden.